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Die Tage danach

Eine neue Katastrophe im Mittelmeer: Etwa 900 Menschen sind tot.

Der Begriff „Katastrophe“, der in der griechischen Tragödie den Wendepunkt der Handlung bezeichnet hat, scheint unpassend: Hier wendet sich keine Situation – weder ins Positive noch ins Negative. Das Problem bleibt bestehen. Tausende Flüchtlinge sterben seit Monaten im Mittelmeer.

„Die Welt“ schreibt: „Denn diese Toten sind unsere Toten.“ Sind sie das? Wird in diesen menschenunwürdigen Schicksalen die große Lücke offenbar, die sich zwischen hochindustrialisierten Staaten und Entwicklungsländern auftut?

Die Reaktionen auf das neuerliche Unglück sind menschlich: Maßnahmenpakete. Schuldzuweisungen. Kritik. Italiens Außenminister Paolo Gentiloni sieht keinen italienischen Notfall: „Wir müssen anerkennen, dass wir einen europäischen Notstand haben.“ Andere Politiker warnen vor „Schnellschüssen“.

Eines muss allen Beteiligten klar sein: So kann es definitiv nicht weitergehen. Es braucht Taten.

In der Wiener Innenstadt versammelten sich gestern Österreicherinnen und Österreicher, Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft, um der Opfer des Unglücks zu gedenken. Solche Zeichen sind wichtig. Sie schaffen Bewusstsein.

Auf der Facebook-Seite der Veranstaltung lassen sich trotzdem kritische Stimmen finden: „Diese Veranstaltung ist nichts als Heuchelei.“ Kritisiert wird, dass Menschen sich an der Seite jener Politiker einfinden, die ihren Teil zu dem Unglück beigesteuert hätten.

Auch wenn es in naher Zukunft konkrete Schritte für eine Lösung der Flüchtlingsproblematik in Europa braucht, müssen solche Veranstaltungen einen Platz haben.

Zeit für Trauer. Zeit für Anteilnahme. Zeit zum Nachdenken.

Auch für Politiker. Auch für die, die vielleicht zu lange weggeschaut haben.