„Sprecht mit dem Herrn und geht weiter!“

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Der Papst überrascht. Immer wieder. Das hat er auch bei seinem ersten Besuch der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom getan.

Der Pfarrer der Gemeinde Jens-Martin Kruse spricht von einem „schönen und verbindenden Zeichen“, das gesetzt wurde. Als Gastgeschenk brachte der Papst eine Patene und einen Kelch, der ja von der katholischen Kirche in der Eucharistiefeier und von der evangelischen Kirche in der Abendmahlsfeier verwendet wird. Das hat einige Theologen mit Sicherheit in Wallung gebracht. Eine solche Geste ist wohl ein definitiver Hinweis auf die noch fehlende Mahlgemeinschaft der beiden christlichen Kirchen.

Gemischt-konfessionelle Paare und der Kommuniongang. Eine schwierige Frage. Der Papst meint dazu, dass er einen gemeinsamen Kommuniongang nicht einfach erlauben könne, gleichzeitig appelliere er aber an das Gewissen und das gemeinsame Gebet des Paares: „Sprecht mit dem Herrn und geht weiter!“

Das sind Worte und Zeichen des Aufeinanderzugehens. Hinweise des Papstes, wie Ökumene gelebt werden kann. Die Worte des Papstes sind für Paare, die seit Jahren im Glauben leben und diesen Konflikt in ihrem Leben spüren, vermutlich wie Balsam für die Seele. Trotzdem komme ich nicht umhin, mich zu fragen, ob die Aussage von Franziskus nicht viele Christen falsch verstehen. Wir leben in einer Welt des ständigen „Alles-haben-wollen“, eines schwierigen Verhältnisses von Christen zum Sakrament der Versöhnung und des Nicht-Hinterfragens von christlichen Werten.

Es gibt wenige, die erstens ihr Gewissen bilden, zweitens die Größe haben, Fehler einzugestehen und an sich zu arbeiten, drittens die wirklich und bedingungslos mit dem Herren sprechen, um die Worte des Papstes zu verwenden. Symptomatisch dafür ist die Schlagzeile der FAZ am Sonntag zum Besuch des Papstes in der evangelischen Gemeinde: „Papst ermuntert Christen zur gemeinsamen Kommunion“. Das stimmt so einfach nicht. Interessant ist aber, dass genau dieser Satz bei den Menschen ankommen wird – auch bei denen, die die FAZ nicht gelesen haben. Die Gewissensprüfung und das gemeinsame Gebet werden da schnell unter den Tisch fallen.

Die Begegnung war historisch, mit bewegenden Zeichen der Annäherung. Es gibt vieles, das verbindet, wie die Taufe. Es gibt vieles, das trennt, wie die Auffassung des Gedächtnisses des letzten Abendmahls. Nicht förderlich für ein sich Näherkommen der Kirche sind relativistische Tendenzen, die sich über Trennendes hinwegsetzen und damit weder der katholischen noch der evangelischen Tradition gerecht werden. Was für die Zukunft wichtig ist: Friedlich miteinander leben, im Gebet bleiben und offen für das Wirken des Heiligen Geistes sein.

Für alle Interessierten hier der Link zur Übertragung des Besuchs des Papstes in der evangelisch-lutherischen Gemeinde. 

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